Systemkreativismus oder Möglichkeiten der Verbindlichkeit

Ich sah im Joggen immer eine gewisse Ästhetik, es schein mir sportlicher als das gute alte Spazieren gehen, jedoch klarer und reiner als Kraft- oder Mannschaftssport. Damit schließe ich auch dieses interessant anzusehende Gruppenjoggen aus. Es geht mir um diese Disziplin, sich ganz alleine aufzurappeln, die Laufschuhe anzuziehen und Gas zu geben. Und ich sah immer eine Kunst darin es richtig zu machen, pro Gelenke und so weiter. Letztlich fällt es mir gerade wie Schuppen von den Augen das ich es nie länger als ein paar Wochen geschafft habe regelmäßig laufen zu gehen,  einerseits wegen dem gestern erwähnten unerreichbaren Leistungsdruck des letzen Males, andererseits die Monotonie am ganzen und dazu noch dieser unterbewusste Gedanke das ich schon in Bälde eine Reha für meine Fußgelenke bräuchte.

Letztendlich war das erste Mal immer von dem Gedanken und der Vorfreude auf körperliches Wohlbefinden orientiert, während beim letzten Mal es nur noch zählte irgendwie an das letzte Mal ranzukommen – es klingt gerade wie die klassische Vorstellung einer Heroinsucht – es ist niemals so gut wie beim ersten Mal. Heute ist mir das Wohlbefinden und Abschalten können die oberste Priorität, dicht gefolgt von der Disziplin selber, welche diesmal aber nicht absolutistisch heißt mindestens jeden zweiten Tag laufen zu gehen, sondern der Verbindlichkeit von mir an mich geschuldet ist. Prinzipiell ist das gerade der wohl wichtigste Treiber für mich im universellen, Verbindlichkeit zu leben.

Ich war in den vergangenen sieben Tagen vier mal schwimmen und einmal Joggen. Gestern wollte ich an einer kostenlosen Jogasession im freien teilnehmen, doch als ich dort war ließ ich mich von ein paar Regentropfen davon abringen die Gruppe zu suchen. Wollte dann auf Homesport à la Fighter Fitness ausweichen, doch letztendlich sind es ein paar Bier und das aufsetzten dieses Blogs geworden. Das körperliche Wohlbefinden ist mir gerade wichtig und erstrebenswert, egal was, vergiss die Ästhetik der Bewegung selbst für einen Moment. Am besten fühlt sich die scheinbar neue Freiheit an, ganz spontan entscheiden zu können was ich heute für meinen Körper – nein für mich tue! Und Schwimmen ist bekanntlich besser für die Gelenke, doch ist es eben ein schwimmen, eine eher unpräzise Art den Körper zu bewegen. Genau dieser Gegensatz ist das was mir scheinbar fehlte, ich fühle mich nun wesentlich mehr motiviert morgen die Laufschuhe anzuziehen oder eine intensive Kraftsession einzulegen. Finger sind gekreuzt.

Und das Beste daran? Es gibt mir einen Grund zu schreiben. Klar ist das hier keine literarische Meisterleistung oder das Motivatum schlecht hin – doch für mich fühlt sich das nach einem großen und wichtigen Schritt an. Nun, wo liegt die alternative zum Schreiben? Das hier soll kein make yourself the best version of yourself Blog werden – höchstens für mich privat – vielleicht schreibe ich morgen ein romantisch melancholisches Gedicht, vielleicht ein Manifest über die feine Divergenz zwischen Hipster und Heuchler, vielleicht ein paar Worte über den Geschmack von Salz. Vielleicht reihe ich einfach nur ein paar Wörter auf systematische, kreative oder systemkreative Weise zusammen, oder ich schreibe über Systemkreativismus – yeah.

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