Verbindlichkeit

Noch vor ein paar Stunden war ich hoch motiviert von dem Gedanken wieder täglich Blog und Tagebuch zu schreiben. Doch wie das Leben so spielt, und es mich die Erfahrung gelehrt hat, wird das nicht ganz einfach. Selbst an zwei Händen und zwei Füßen könnte ich nicht abzählen, wie oft ich mir schon irgendetwas täglich vorgenommen habe.

Doch ich möchte es wieder versuchen, mittlerweile scheinen die Dinge anders. – Sind die Dinge nicht immer irgendwie anders? Ich habe immer den Drang etwas sofort zu machen, es gleich umzusetzen. Getting Things Done heißt es im Kanon der modernen Gesellschaft, tu es einfach! Doch steckt nicht auch im ständigen sich vornehmen von guten Vorsätzen und Absichten und dem Abrechen dieser nach ein paar Tagen eine Art Verbindlichkeit, ein Vertrauen an die Missgunst?

Warum kann ich nicht einfach mal so Joggen gehen, warum muss ich mir immer gleich vornehmen es übermorgen wieder zu tun? Bisher machte ich immer den Fehler beim ersten mal so viel Energie zu investieren das ich bereits beim zweiten Mal mir nicht vorstellen konnte wieder so viel Gas zu geben. Enttäuschung machte sich breit und hinderte mich daran irgendetwas zu tun.  Ja, auch ich möchte irgendwann mal ein Buch schreiben, aber wie soll ich das schaffen wenn ich nach 15 geschriebenen Seiten schon wieder denken das es komplett sinnlos ist, wenn ich es nicht einmal schaffe einen Monat lang täglich Blog zu führen?

Anscheinend sind überhöhte Erwartungen das Problem. Der romantische Perfektionismus, wenig tun – viel erreichen wollen. So geht das nicht. Schon jetzt habe ich wieder das Gefühl, oder besser gesagt das Denken, dass ich mich verfranse und keinen Sinn schaffe.

Letztendlich ist es egal. Es wäre Verbindlichkeit in Isolation, bisher habe ich mich immer unterbewusst darauf verschwört, dass ich immer etwas perfektes abliefere, immer Vollgas gebe, immer an die Grenzen gehe oder aufgebe.

Verbindlichkeit gegenüber der Verbindlichkeit, wie in der Ehe, wie in guten und in schlechten Zeiten. Man streitet, ist nicht einer Meinung, doch wie der Ring es irgendwie symbolisiert muss es eine Art Loop geben, eine Wiederholung auf Basis von Grundlagen. Die Möglichkeit der Perfektion existiert und scheint auch erstrebenswert – doch langt es nicht, gerade am Anfang, Irgendetwas zu schreiben? Langt es nicht zumindest die Laufschuhe anzuziehen und einfach loszulaufen, ohne den Anspruch das letzte Mal zu überbieten, oder gar die selbe Leistung zu erreichen?

Ich stelle hier viele Fragen, mittlerweile fürchte ich jede Art von Absolutismus, zumindest wenn es mir auffällt. Selbst das ist ein Absolutismus und sicherlich habe ich weiter oben noch mehrere verwendet. Die Ehe verwendete ich als Beispiel für die Verbindlichkeit gegenüber der Verbindlichkeit, doch wie viele Ehen zerbrechen, gehen ein an ihrer scheinbaren Monotonie, es scheint wie eine virtuelle Verbindlichkeit.

Ich möchte schreiben – in guten wie in schlechten Zeiten – ja ich will.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.